Vorwort des Autors für die erste deutsche Ausgabe

This is the introduction to the German edition of Reason in Revolt in German.

„Es ist übrigens nicht schwer zu sehen, dass unsere Zeit eine Zeit der Geburt und des Übergangs zu einer neuen Periode ist. Der Geist hat mit der bisherigen Welt seines Daseins und Vorstellens gebrochen und steht im Begriffe, es in die Vergangenheit hinab zu versenken, und in der Arbeit seiner Umgestaltung. Zwar ist er nie in Ruhe, sondern in immer fortschreitender Bewegung begriffen. Aber wie beim Kinde nach langer stiller Ernährung der erste Atemzug jene Allmählichkeit des nur vermehrenden Fortgangs abbricht - ein qualitativer Sprung - und jetzt das Kind geboren ist, so reift der sich bildende Geist langsam und stille der neuen Gestalt entgegen, löst ein Teilchen des Baues seiner vorhergehenden Welt nach dem andern auf, ihr Wanken wird nur durch einzelne Symptome angedeutet; der Leichtsinn wie die Langeweile, die im Bestehenden einreißen, die unbestimmte Ahnung eines Unbekannten sind Vorboten, dass etwas anderes im Anzuge ist. Dies allmähliche Zerbröckeln, das die Physiognomie des Ganzen nicht veränderte, wird durch den Aufgang unterbrochen, der, ein Blitz, in einem Male das Gebilde der neuen Welt hinstellt.“ (Georg W. F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, Werke in 20 Bänden, Frankfurt am Main 1970, Bd. 3., S. 17f.)

Warum haben wir dieses Buch geschrieben?

Die Veröffentlichung von Reason in Revolt vor mittlerweile sieben Jahren fiel in eine Zeit, die durch den Fall der Berliner Mauer und den Zusammenbruch der Sowjetunion geprägt war. Weltweit befand sich die Linke in einer schweren Krise. Verwirrung, Zweifel, Enttäuschung und Skepsis herrschten vor, während die Bürgerlichen siegestrunken eine ideologischen Offensive gegen alles starteten, was nach Sozialismus roch.

In dieser Situation sahen wir es als unsere wichtigste Aufgabe, die grundlegenden Ideen und Methoden des Marxismus zu verteidigen. Den Beginn sollte eine systematische Auseinandersetzung mit der marxistischen Philosophie machen. Mit Reason in Revolt wollten wir den Beweis dafür erbringen, dass der dialektische Materialismus alles andere als veraltet ist und in der modernen Wissenschaft einen noch viel höheren Stellenwert verdienen würde als vor hundert Jahren, als Engels den Anti-Dühring und die Dialektik der Natur verfasste.

Reason in Revolt sollte eine Art moderne Ausgabe der Dialektik der Natur werden, was keine einfache Aufgabe war, da wir es dabei mit äußerst komplexen und umfangreichen Themengebieten zu tun hatten. Wir standen vor dem Problem, ein allgemein verständliches Werk herauszugeben, ohne die Gegenstände, die wir behandelten, allzu sehr zu vereinfachen.

Reason in Revolt stieß sowohl unter Studierenden und Akademikern wie auch unter kritischen Gewerkschaftern auf ein großes Interesse. Gerade die Tatsache, dass viele Leser dieses Buch als wichtige Antwort auf die bürgerliche Offensive auf der Ebene der Ideologie sahen, rechtfertigte unsere Anstrengungen.

Reason in Revolt sollte jedoch nur der Startschuss für eine rege Publikationstätigkeit sein. Es folgten Bücher über die aktuelle Weltlage, wie Russia - From Revolution to Counter-revolution, über die Geschichte der marxistischen Bewegung, wie Bolshevism - The Road to Revolution und Lenin and Trotsky - What they really stood for. Dieses Jahr haben wir das langerwartete Buch von Ted Grant, History of British Trotskyism, veröffentlicht. In näherer Zukunft planen wir die Herausgabe von Büchen über Marxismus und die Nationale Frage, Marxistische Ökonomie, Marxismus und Kunst, die Geschichte der Philosophie und eine Auseinandersetzung mit der Marxistischen Philosophie, in der wir genauer auf die Beziehung zwischen dem Begriff der Dialektik bei Marx und bei Hegel eingehen wollen.

Bisher wurde Reason in Revolt auf Spanisch, Italienisch, Griechisch, Urdu und Türkisch übersetzt; neben der deutschen Ausgabe ist auch eine holländische Übersetzung in Arbeit. Außerdem soll dieses Jahr noch eine Sonderausgabe für die USA und Kanada herauskommen, was ebenfalls einer gewissen „Übersetzung” erfordert, beschrieb doch George Bernard Shaw Engländer und Amerikaner als „zwei Völker“, die „durch ihre gemeinsame Sprache getrennt” sind.

Wissenschaft und die Krise des Kapitalismus

Reason in Revolt ist ein Buch über marxistische Philosophie, angewendet auf eine ganz bestimmtes Gebiet, die moderne Wissenschaft. Das vergangene Jahrhundert war durch spektakuläre wissenschaftliche Fortschritte gekennzeichnet, die das Leben der Menschen nachhaltig beeinflussten. Gleichzeitig wurde offensichtlich, dass die Wissenschaft kein von der Gesellschaft und der Politik unabhängiger Bereich sein kann. Albert Einstein musste vor dem NS-Regime aus Deutschland fliehen, während Werner Heisenberg mit dem Nationalsozialismus kollaborierte - und das noch philosophisch mit Erkenntnissen aus der Quantenmechanik begründete! Dadurch wird der wichtige Beitrag Heisenbergs zur modernen Physik nicht in Frage gestellt. Es zeigt jedoch deutlich, dass selbst die hehren Naturwissenschaften dem Einfluss gesellschaftlicher Entwicklungen unterliegen.

Die Vorstellung, Wissenschafter könnten gegenüber allgemeinen gesellschaftlichen Tendenzen unbeeinflusst arbeiten, entspricht kaum der Realität. Gerade unter den Bedingungen des modernen Kapitalismus wird die Wissenschaft den Interessen der großen Konzerne vollständig untergeordnet. Nicht Wissenschafter, sondern die Kapitaleigner sind es, die entscheiden, in welche Richtung geforscht werden soll. Dabei geht es selbstverständlich nicht um die Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse, sondern um maximale Profite. Bildung und Wissenschaft sollen sich den Regeln des „Marktes“ fügen, wobei wir die Konzentration der Produktionsmittel in den Händen einer kleinen Minderheit von Kapitalisten als natürlich akzeptieren sollen.

Das Potential neuer Technologien ist überwältigend, doch in unserer Gesellschaft verkümmern neue Technologien in den engen Grenzen der sogenannten „Marktwirtschaft“. Seit dem ersten Erscheinen von Reason in Revolt wurde mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms ein Meilenstein in der wissenschaftlichen Entwicklung gelegt, dessen Auswirkungen auf die Wissenschaft und die Philosophie von enormer Tragweite sind. Noch bevor jedoch die Ergebnisse der Erforschung des menschlichen Genoms bekannt wurden, sicherten sich Großkonzerne die Rechte über diesen profitversprechenden Bereich. Schon jetzt ist absehbar, dass es zu endlosen Verfahren und Prozessen kommen wird, während gleichzeitig Millionen Kranker eine lebensnotwendige medizinische Behandlung verwehrt wird.

Profitinteressen haben in dieser Gesellschaft eindeutig Vorrang gegenüber den Bedürfnissen der Menschen. Nachdem die Wissenschaft zu einer Sklavin des Kapitals verkommen ist, können ihre großen Möglichkeiten nur sehr eingeschränkt ausgeschöpft werden. Soll die Wissenschaft in den Dienst der gesamten Menschheit gestellt werden, muss sie von der Diktatur des Profits und der Anarchie des Marktes befreit werden. In einem vernünftig geplanten Wirtschaftssystem, in dem nicht eine kleine Minderheit die Produktionsmittel besitzt, sondern diese von den Arbeiternehmern, Wissenschaftern und Technikern demokratisch kontrolliert und verwaltet werden, wäre die Wissenschaft wirklich frei und könnte ihr volles Potential entfalten.

Das menschliche Genom

Die spektakulären Fortschritte im Bereich der Genforschung, allen voran die bereits erwähnte Entschlüsselung des menschlichen Genoms, lieferten eine wichtige Bestätigung der von uns angewandten Methode des dialektischen Materialismus. Wie von uns in Reason in Revolt dargelegt, kann man die Gene als eine Art Rohstoff für die menschliche Entwicklung sehen, während die Umwelt die notwendigen Voraussetzungen schafft, die die Entwicklung dieses genetischen Rohstoffes bestimmen. Die Ergebnisse des Human Genome Project entziehen den Argumenten des biologischen Determinismus, dessen Anschauungen wir in Reason in Revolt grundlegend kritisiert haben, den Boden.

Über Jahrzehnte herrschte in der Genetik die Ansicht vor, der Mensch sei zur Gänze - von der Intelligenz über sexuelle Neigungen bis hin zur Kriminalität - durch die Gene bestimmt. Daraus wurden nicht selten zutiefst reaktionäre Schlüsse gezogen: Schwarze wären aufgrund ihrer Gene weniger intelligent als Weiße, Mörder und Vergewaltiger wären genetisch determiniert und könnten sich daher auch nicht ändern. Es wäre sinnlos, Ressourcen zur Bekämpfung von Armut bereitzustellen, da auch Erfolg und Misserfolg genetisch bedingt seien. Damit versucht man uns zu suggerieren, dass soziale Ungleichheit in genetischen Unterschieden begründet und damit natürlich, ja unvermeidlich sei. Folglich müsse das Ziel einer klassenlosen Gesellschaft zum Scheitern verurteilt sein. Gibt es einen besseren Beweis dafür, dass Wissenschaft nicht unabhängig von politischen und sozialen Interessen verstanden werden kann? Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms bedeutet aber auch abseits von den erwähnten politischen Debatten einen Höhepunkt in der Geschichte der Wissenschaften.

Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, das menschliche Erbgut bestehe aus mindestens 50.000 bis zu 150.000 Genen. Diese Zahlen ergaben sich aus dem Vergleich mit einfachen Organismen wie der Fruchtfliege. Wenn eine Fruchtfliege 13.000 Gene hat, müsse der wesentlich komplexere Mensch um ein Vielfaches mehr Gene haben. Die Schätzungen erwiesen sich jedoch als falsch, denn nach neuesten Erkenntnissen liegt die Zahl der menschlichen Gene wahrscheinlich zwischen 30.000 und 40.000.

Damit stecken bisher allgemein anerkannte Theorien in einem schweren Dilemma. Wie erklärt sich die größere Komplexität der Menschen, wenn wir nur um ca. 50% mehr Gene haben als ein Rundwurm? Der Rundwurm ist nicht mehr als ein kleiner Schlauch mit 959 Zellen, von denen 302 Neuronen sind und die als sein Gehirn gelten. Menschen hingegen verfügen über 100 Billionen Zellen, davon 100 Milliarden alleine im Gehirn. Selbst jene, die den evolutionären Fortschritt leugnen, werden wohl kaum daran zweifeln, dass der Mensch im Vergleich zu einem Rundwurm eine etwas höhere Lebensform darstellt.

Einen marxistischen Standpunkt zu vertreten heißt selbstverständlich nicht, die Bedeutung der Gene als Rohmaterial für die Entwicklung der einzelnen Menschen in Frage zu stellen. Gene sind allerdings nur eine Seite einer sehr komplexen Gleichung. Problematisch wird es, wenn versucht wird, Entwicklung und Verhalten von Menschen allein aufgrund ihrer Gene zu erklären. Genetische Faktoren stehen mit äußeren Einflüssen in einem Wechselverhältnis, wobei vor allem die Rolle der Umwelt entscheidend ist - was aber von Vertretern des biologischen Determinismus beharrlich bestritten wird.

Die jüngsten Entdeckungen der Genetik haben diese These endgültig bestätigt. Die verhältnismäßig kleine Gesamtanzahl der menschlichen Gene widerlegt die Annahme, dass einzelne Gene Verhaltensmuster wie Kriminalität oder sexuelle Neigungen steuern könnten. Theorien wie die von Dean Hammer, der meinte, ein bestimmtes Gen am menschlichen X-Chromosom sei für Homosexualität verantwortlich, erweisen sich dadurch als genauso gegenstandslos wie ähnliche Versuche, alle nur erdenklichen menschlichen Eigenschaften bis hin zu künstlerischem Geschmack oder politischen Präferenzen aus den Genen zu erklären.

Es sind also nicht allein die Gene, sondern vor allem Umwelteinflüsse - darunter verstehen wir externe Reize durch die physische Welt sowie die Bedingungen, unter denen wir leben die die menschliche Evolution bedingen. Die Gene spielen gewiss eine sehr wichtige Rolle in der Entwicklung, doch nicht auf einfache und mechanische Weise, sondern auf komplexe, dialektische Art. Um mit Hegel zu sprechen, stellen Gene ein Potenzial dar. Doch dieses Potenzial braucht äußere Reize, um aktiv zu werden, die Gene werden sozusagen von der Umwelt „eingeschaltet“ und immer wieder leicht verändert. So entsteht durch Veränderungen, die sich als nützlich erweisen, das, was wir unter dem Begriff „natürliche Selektion“ kennen.

Urknalltheorie zu Fall gebracht

Ein anderer Teil von Reason in Revolt wurde von vielen Lesern als schwer verdaulich empfunden - der Abschitt über Kosmologie, in dem wir die Theorie des Urknalls in Frage stellten. Dieser Entwurf des Universums schien so fest verwurzelt und offensichtlich so unangreifbar, dass er von den meisten unhinterfragt übernommen wurde: Unerhört, den Urknall anzuzweifeln!

Doch erst vor kurzem stellte ein Artikel von Paul J. Steinhardt und seinem Kollegen Neil Turok von der Cambridge University diese allgemein anerkannte Erkenntnis ebenfalls in Frage. Die beiden Wissenschafter legten ein neues Modell zur Erklärung des Kosmos vor: Sie wiesen darauf hin, dass die Theorie des Urknalls schwerwiegende Defizite beinhalte, denn sie klärt nicht, was vor dem Urknall geschah, noch, wie sich das Universum weiterentwickeln wird. Wird es sich immer weiter ausbreiten, oder wird es sich wieder zusammenziehen? Das waren auch einige der Einwände, die wir in Reason in Revolt erhoben. Die beiden argumentieren - ebenso wie wir in Reason in Revolt -, dass das Universum weder Anfang noch Ende hat.

Nach ihrem Modell durchlebt das Universum einen endlosen Kreislauf - von Urknallen, Ausdehnung und Stagnation -, der von einer (noch ungeklärten) „dunklen Energie“ angetrieben wird. Sie stützen sich dabei auf neue Entdeckungen, die die Wissenschaft verblüfft haben, wie etwa die Beobachtung, dass sich alles im Universum immer schneller auseinanderbewegt. Diese Beschleunigung wurde nachgeprüft und auch bewiesen. Mit der Standardtheorie des Universums können solche Phänomene nicht erklärt werden!

Das neue Modell sieht den Urknall nicht als den Augenblick der Schöpfung, sondern als Übergang zweier Zyklen in einem unendlichen Prozess kosmologischer Erneuerung. Auf den Urknall folgt eine Phase der langsamen Ausdehnung und der allmählichen Anhäufung dunkler Energie. Sobald die dunkle Energie überwiegt, befördert sie die kosmische Beschleunigung. Nach Ansicht der beiden Autoren nähert sich die derzeitige Epoche dem Übergang dieser zwei Stufen.

Zur Zeit befindet sich das Universum in einer Expansionsphase, die noch Billionen Jahre andauern wird, bis der kritische Punkt erreicht wird, an dem dieser Prozess eine neue Richtung nimmt. Obwohl noch viele Fragen offen bleiben (vor allem die nach der angenommenen „dunklen Energie“), bedeutet dieses neue Modell einen großen Fortschritt gegenüber dem mystischen und unwissenschaftlichen Konzept, das den Urknall als Beginn von Zeit, Materie, Raum und Energie sieht. Die neue Theorie macht mit dem Irrglauben Schluss, das Universum habe einen Anfang und ein Ende - vielmehr ist es zeitlich und räumlich unbegrenzt.

Diese Vorstellung des Universums entspricht der Theorie des dialektischen Materialismus, die davon ausgeht, dass das Universum unendlich und ewig ist und sich ständig verändert. Die Möglichkeit eines Urknalls wird damit nicht ausgeschlossen. Wie wir dargelegt haben, hat es wahrscheinlich schon viele Urknalle in der Geschichte gegeben. Was aber mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, ist, dass irgendeine Form der Materie (und damit auch jede Form der Energie) aus dem Nichts heraus erzeugt - wie die Urknalltheorie impliziert - oder zerstört werden kann.

Das Modell des Kosmos ist ein weiteres Beispiel für das dialektische Gesetz der Umwandlung von Quantität in Qualität. „Das Skalarfeld verändert mit der Zeit seinen Charakter“, meinte Paul Steinhardt gegenüber der BBC. „Schließlich beginnt das Feld bis zu dem Punkt Energie aufzubauen, an dem es plötzlich instabil wird, und explodiert in Materie und Strahlung und füllt damit das Universum, während es die nächste Phase der Expansion antreibt.“

Es ist noch zu früh zu sagen, ob sich dieses Modell bis ins einzelne bestätigen wird. Doch klar ist, dass die Mängel der Urknalltheorie augenscheinlich sind und dass jetzt nach einem alternativen Modell geforscht wird. Ob sich die Theorie von Paul J. Steinhardt und Neil Turok im Detail als richtig erweist oder nicht - die dialektische und materialistische Methode, die die Wissenschafter verwendet haben, ist jedenfalls korrekt. Und wie die beiden in der Zeitschrift Science schrieben: „Der letzte Schiedsrichter wird die Natur selbst sein.“

Marx und Hegel

Die Wahl des Zitates zu Beginn dieses Vorwortes war kein Zufall. Einerseits treffen die Worte des großen Denkers Hegel genau die derzeitige Lage der Weltgeschichte; andererseits hat auch das vorliegende Werk vor allem philosophischen Charakter.

Oft wird vergessen, dass Marx zunächst Philosoph war und als Anhänger von Hegel begann. Um Marx zu verstehen, ist die dialektische Methode - die revolutionärste Weise des Denkens - von grundlegender Wichtigkeit; ohne ein klares Verständnis der Dialektik ist es nicht möglich, Marx zu begreifen. Das wäre wie der Versuch, eine Fremdsprache zu sprechen, ohne die Grammatik zu kennen: Vielleicht wird man sich verständigen können, man wird aber nicht das mitteilen können, was man zu sagen versucht.

Was der britischen Wissenschaftstradition vor allem fehlt, ist das Verständnis von Theorie und Philosophie. Mit Ausnahme der frühen Materialisten - Bacon, Hobbes und Locke - ist die Philosophie in Großbritannien eine armselige Sache. Trotzki meinte, die angelsächsische Welt reagiere allergisch auf theoretische Verallgemeinerungen und ziehe es vor, den festen Boden der Erfahrung, der Praxis und der „Fakten“ unter sich zu spüren. Aus diesem Grund sind wohl auch die Wirtschaftsstatistiken der Londoner Financial Times und des Economist die besten der Welt. Es ist daher kein Zufall, dass Marx und Engels ihre Wirtschaftsanalysen auf die Entdeckungen der klassischen britischen Ökonomen stützten, ihre philosophischen Methoden hingegen auf die Schriften der klassischen deutschen Philosophie und vor allem auf die Werke von Hegel.

Trotz der offensichtlichen Bedeutung der Dialektik in allen Schriften von Marx, insbesondere im Kapital, unterschätzen und ignorieren selbst belesene Marxisten die dialektische Methode.

Dies gilt vor allem für Großbritannien, wo Marxismus damit gleichgesetzt wird, dass man mit politischer Ökonomie vertraut sei. Aus dieser falschen Vorstellung erwächst eine der Konzeption von Marx und Engels vollkommen zuwiderlaufende mechanischen Sicht des Marxismus, die wirklich reinen ökonomischen Determinismus darstellt - eine Haltung, die den Ideen von Marx und Engels ganz fremd ist. Auf diese Weise verliert man die revolutionäre Essenz des Marxismus aus dem Auge, und man endet bei einer oberflächlichen und verzerrten Analyse, was im besten Fall Material für Agitation bieten kann, aber kein wirkliches Verständnis gesellschaftlicher Prozesse.

Lenin unterstrich die Bedeutung der Dialektik - in seinen philosophischen Notizbüchern, die er während der dunklen Jahre des Ersten Weltkriegs verfasste, können wir folgendes lesen:

Aphorismus: Man kann das ‚Kapital’ von Marx und besonders das I. Kapitel nicht vollständig begreifen, ohne die ganze Logik von Hegel durchstudiert und begriffen zu haben. Folglich hat nach einem halben Jahrhundert nicht ein Marxist Marx begriffen!!“ (Wladimir I. Lenin, Philosophische Hefte, Werke Bd. 38, S. 170.)

Marxismus und Kultur

Der Marxismus erklärt die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft in letzter Instanz aus der Entwicklung der Produktivkräfte. Diese Tatsache ist weitgehend bekannt, aber wie Hegel einmal meinte, „Was bekannt ist, ist darum noch nicht erkannt.”

Der Gedanke, dass die Entwicklung der Produktivkräfte die gesellschaftliche Entwicklung bedingt, ist so nahe liegend, dass man verblüfft ist, wie viele Menschen diese Ansicht in Frage stellen - für gewöhnlich tragen diese auch noch eine Reihe von Titeln vor ihrem Namen. Es erfordert nicht viel Intelligenz um zu verstehen, dass Menschen zunächst Essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf brauchen, bevor sie sich den Künsten, der Wissenschaft, der Religion oder der Philosophie widmen können. Und es ist ebenso offensichtlich, dass die Entwicklungsfähigkeit jedes sozioökonomischen Systems letztlich davon abhängt, ob es imstande ist, die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen.

Nichtsdestotrotz behaupteten Marx und Engels nie, alles wäre auf die Ökonomie reduzierbar. Die Beziehung zwischen Ideen, der Kunst, Religion, Philosophie usw. und dem Stand der Entwicklung der Produktivkräfte ist keine einfache und unmittelbare, sondern eine wesentlich komplexere dialektische Wechselbeziehung, wie Engels schrieb:

„Was nun die noch höher in der Luft schwebenden ideologischen Gebiete angeht, Religion, Philosophie etc., so haben diese einen vorgeschichtlichen, von der geschichtlichen Periode vorgefundenen und übernommenen Bestand von - was wir heute Blödsinn nennen würden. Diesen verschiednen falschen Vorstellungen von der Natur, von der Beschaffenheit des Menschen selbst, von Geistern, Zauberkräften etc. liegt meist nur negativ Ökonomisches zum Grunde; die niedrige ökonomische Entwicklung der vorgeschichtlichen Periode hat zur Ergänzung, aber auch stellenweise zur Bedingung und selbst Ursache, die falschen Vorstellungen von der Natur. Und wenn auch das ökonomische Bedürfnis die Haupttriebfeder der fortschreitenden Naturerkenntnis war und immer mehr geworden ist, so wäre es doch pedantisch, wollte man für all diesen urzuständlichen Blödsinn ökonomische Ursachen suchen. Die Geschichte der Wissenschaften ist die Geschichte der allmählichen Beseitigung dieses Blödsinns, resp. seiner Ersetzung durch neuen, aber immer weniger absurden Blödsinn. Die Leute, die dies besorgen, gehören wieder besonderen Sphären an der Teilung der Arbeit an und kommen sich vor, als bearbeiteten sie ein unabhängiges Gebiet. Und insofern sie eine selbständige Gruppe innerhalb der gesellschaftlichen Arbeitsteilung bilden, insofern haben ihre Produktionen, inkl. ihre Irrtümer, einen rückwirkenden Einfluss auf die ganze gesellschaftliche Entwicklung, selbst auf die ökonomische. Aber bei alledem stehn sie selbst wieder unter dem beherrschenden Einfluss der ökonomischen Entwicklung.“ (Friedrich Engels an Conrad Schmidt, 27. Oktober 1890, MEW Bd. 37, S. 492)

Und weiter meinte er: „Aber als bestimmtes Gebiet der Arbeitsteilung hat die Philosophie jeder Epoche ein bestimmtes Gedankenmaterial zur Voraussetzung, das ihr von ihrem Vorgängern überliefert worden ist und wovon sie ausgeht. Und daher kommt es, dass ökonomisch zurückgebliebene Länder in der Philosophie doch die erste Violine spielen können.“ (ebenda, S. S. 493)

Diese Beobachtungen können auch auf den Bereich der Kunst und der Literatur angewendet werden: Künstlerische Richtungen verändern sich ständig, und diese Veränderungen spiegeln in großem Maße tieferliegende Prozesse gesellschaftlicher Veränderung wider. Die letztendlichen Ursachen dieser Veränderungen können auf Entwicklungen in der Produktionsweise und den damit einhergehenden Klassenbeziehungen mit einer Vielzahl an juristischen, politischen, religiösen, philosophischen und ästhetischen Ausdrucksformen zurückgeführt werden.

Dennoch ist die Beziehung zwischen diesen Elementen alles andere als einfach, vielmehr ist sie komplex und widersprüchlich. Nach Marx’ Worten wäre es pedantisch, der Verbindung zwischen Kunst und Ökonomie nachzugehen, die bestenfalls eine mittelbare sei. Kunst wie auch Religion haben Wurzeln, die in die Frühgeschichte zurückgehen. Ideen, Stile, Kunstrichtungen können im Verstand der Menschen noch lange Zeit weiterleben, auch wenn der sozioökonomische Zusammenhang, aus dem sie entstanden sind, längst in Vergessenheit geraten ist. Letzten Endes ist der menschliche Verstand durch einen ihm eigenen Konservativismus gekennzeichnet. Vorstellungen, die längst ihren Sinn verloren haben, bleiben hartnäckig in der menschlichen Psyche verankert und spielen weiter eine bestimmende Rolle in der menschlichen Entwicklung. Dies gilt nicht nur für den Bereich der Religion, sondern auch für Kunst und Literatur.

Kultur und gesellschaftlicher Niedergang

Die Entwicklung von Kunst, Literatur und Philosophie spiegelt die allgemeine Entwicklung der Gesellschaft und der Produktivkräfte also nicht in einer mechanischen Weise wider. Aufstieg und Fall der Produktivkräfte schlagen sich in den widersprüchlichsten Formen in den Köpfen der Menschen nieder. So oder so, letzten Endes muss dieser Prozess seine Spuren im menschlichen Bewusstsein hinterlassen.

Wenn eine bestimmte sozioökonomische Ordnung in eine Phase des Niedergangs eintritt, findet dies auch seinen Ausdruck in einer Krise der Werte, der Moral und der Religion. Begleitet wird dies oftmals von einer allgemeinen Rückzugs-Tendenz, was wiederum neue philosophische und künstlerische Strömungen hervorrufen kann. Trotzki nahm in seinem brillanten Artikel Die Kurve der kapitalistischen Entwicklung auf dieses Phänomen Bezug. Und Karl Marx schrieb bereits in seiner Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie: „Bei der Kunst [ist] bekannt, daß bestimmte Blütezeiten derselben keineswegs im Verhältnis zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft, also auch der materiellen Grundlage, gleichsam des Knochenbaus ihrer Organisation, stehn.“ (Karl Marx, Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie, MEW Bd. 13, S. 640)

Der grundlegende Widerspruch der kapitalistischen Gesellschaft ist der Antagonismus zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privaten Form der Aneignung. Aus diesem zentralen Widerspruch leiten sich indes viele weitere ab. Die universelle Herrschaft des Geldes, das alles und jedes durchdringt, die Entfremdung des Arbeiters von seinem Arbeitsprodukt, das ihm als feindliche Macht gegenübertritt - all das schafft eine Gesellschaft, in der die eigentlichen menschlichen Beziehungen bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden und in der die Natur des Menschen eine groteske Umkehrung erleidet. Dennoch erscheint uns diese absonderliche, entfremdete, auf den Kopf gestellte Welt als völlig normal.

Solch eine brutale und widerwärtige Wirklichkeit muss dabei so uminterpretiert werden, dass das Unnatürliche natürlich erscheint und das Unmenschliche als die unvermeidliche Folge der „menschlichen Natur”. Kein leichtes Zauberkunststück, für das die Bourgeoisie auf die Dienste einer ganzen Heerschar von Intellektuellen zurückgreifen muss: Soziologen, Ökonomen, Priester, Lehrer, Journalisten, Philosophen und sogar Naturwissenschaftler. Denn auch die Wissenschaft kann, trotz aller Selbsttäuschung, in den Dienst des einzig wahren Gottes der modernen Gesellschaft genötigt werden; jener Gott, dem der Kapitalismus mit grenzenloser Hingabe und mit ganzer Seele huldigt - Mammon, der Gott des Reichtums.

Die globale Krise des Kapitalismus zeigt sich nicht nur in den wiederkehrenden Erschütterungen an den Aktienmärkten, in der gegenwärtigen Welle von Bankrotten und Stilllegungen sowie in steigender Arbeitslosigkeit. Sie erweist sich als ein viel umfassenderes Phänomen, das sich schleichend des Bewusstseins der Menschen bemächtigt. In Ermangelung einer wissenschaftlichen Erklärung jener Ereignisse, die ihr Leben zuweilen (so wie z. B. die Anschläge vom 11. September) auf dramatische Weise beeinflussen, stellt sich bei Vielen das Gefühl ein: diese Welt ist verrückt geworden. Tatsächlich macht sich ein Hang zum Irrationalen selbst in den reichsten und „zivilisiertesten“ Ländern, wie den USA oder Deutschland, bemerkbar.

In jüngster Zeit gelangte die vom islamischen Fundamentalismus ausgehende Bedrohung verstärkt ins Rampenlicht. Das zweifellos reaktionäre Phänomen des religiösen Fundamentalismus beschränkt sich aber keineswegs nur auf den Islam; es gibt ihn auch in allen anderen Weltreligionen. Darüber hinaus wächst im Westen, allen voran in den USA, der Hang zum Mystizismus, zu allerlei Formen von Aberglauben, zur Astrologie und ähnlichem. Dieser angehäufte Kehricht der Vergangenheit hätte längst schon mit all den anderen Überbleibseln des Feudalismus und der Barbarei verschwinden sollen. Statt dessen führen so diskreditierte Ideen wie der Kreationismus eine Konter-Offensive und stoßen sogar unter angesehenen Wissenschaftlern auf ein nicht zu übersehendes Echo. Dies vermittelt für sich genommen schon einen Maßstab für die Altersschwäche des Kapitalismus in unserer Epoche.

Obwohl die große Mehrheit der Wissenschaftlern gewissenhafte Menschen sind, die keine Zeit für Mystizismen haben und den Missbrauch der Wissenschaft für reaktionäre politische Ziele ablehnen, gibt es eine Minderheit, die ganz andere Ziele verfolgen. Einige davon haben Bücher eindeutig mystischen und religiösen Inhalts veröffentlicht und damit eine Menge Geld gemacht. In den USA schlägt die religiös motivierte Rechte auf dem Feld der Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik eine heftigen Offensivschlacht. Für dieses Ziel bedient sie sich besonders der Genetik.

In seinem berühmten Stück Leben des Galilei, beleuchtet Bertolt Brecht das Dilemma eines wissenschaftlichen Menschen in einer von tiefen politischen und religiösen Differenzen zerrissenen Gesellschaft. Unter Androhung der Folter durch die Inquisition gibt Galileo nach und schwört öffentlich seinen Ideen ab. Im Gegenzug wird er in Ruhe gelassen, ja man gewährt ihm ein komfortables Privatleben. Am Ende des Stücks bringt er in einem bitteren Monolog seine inneren Qualen und sein Bedauern zum Ausdruck.

Wie alle Menschen, so müssen auch Wissenschaftler, Künstler und andere Intellektuelle letztlich Stellung beziehen. Sie müssen sich entscheiden, ob sie den Fortbestand einer Ordnung zu unterstützen gedenken, die die überwältigende Mehrheit der Menschheit zu einem Leben in nicht enden wollender Armut und Unwissenheit verurteilt, oder ob sie für die Errichtung einer wirklich neuen Weltordnung kämpfen wollen. Eine Ordnung, in der die wunderbaren Errungenschaften der Wissenschaft dafür genutzt würden, diese Übel zu beseitigen und eine neue Zivilisation aufzubauen, die dieser Bezeichnung auch tatsächlich gerecht wird.

Im Ringen um das Schicksal dieser Welt, ja der gesamten Menschheit, kann niemand neutral bleiben. Dies zu versuchen, liefe in Wahrheit auf eine Billigung der bestehenden Ordnung hinaus. Es wird, so viel ist sicher, nicht auf alle Zeit hinaus möglich sein, politischen Fragen gegenüber gleichgültig zu bleiben. Jeden und Jede wird die Krise des Kapitalismus früher oder später betreffen. Ein Entrinnen gibt es nicht. So stehen wir vor zwei Alternativen: entweder wir erlauben es der Gier einer Handvoll von Großkonzernen unseren Planeten zu plündern, zu zerstören und damit die Welt in weitere und immer zerstörerischere Kriege und Erschütterungen zu stürzen; oder wir erkühnen uns, einen völlig neuen Weg zu gehen.

Ist das nicht zu optimistisch? Nicht ganz zu unrecht werden Viele die skeptische Frage stellen, ob solch ein neuer Weg überhaupt möglich ist. Hat das zwanzigste Jahrhundert nicht schmerzhaft gezeigt, dass alle Versuche, den Kapitalismus zu überwinden - angefangen bei der Oktoberrevolution 1917 - schlussendlich nur zu neuer Unterdrückung führten? Gerade da wir nun dieses Buch auch der deutschsprachigen Leserschaft überreichen können, von der ein Teil am eigenen Leibe von dieser Frage betroffen war, möchten wir um eine Antwort nicht verlegen sein.

Sozialismus und Demokratie

Heute, dreizehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, sehen viele Menschen aus der ehemaligen DDR die Erwartungen, die sie bei der Wende hatten, zum Teil enttäuscht. Zum Entsetzen der Herrschenden sind gegenwärtig viele Bewohner der „Neuen Bundesländer“ der Meinung, dass das Leben in der DDR doch nicht so schlecht war. Natürlich, die wenigsten wollen wieder in einem totalitären Einparteienstaat mit seiner privilegierten Parteibürokratie und der überall präsenten Stasi leben. Doch sie erinnern sich auch daran, dass es in der DDR keine Arbeitslosigkeit gab und dass jeder das Recht auf Bildung und eine gute Gesundheitsversorgung hatte. Es herrschte nicht jenes Klima des halsbrecherischen Wettbewerbs, des “Jeder gegen Jeden”, der Unsolidarität und der Habgier, das den Kapitalismus kennzeichnet.

Was viele von ihnen wollen, dafür treten auch wir ein: eine vergesellschaftete und geplante Wirtschaft, die tatsächlich demokratisch geführt wird. Eine Gesellschaft, in der die arbeitenden Menschen bestimmen - nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis. Anders gesagt, sie wollen Bedingungen, wie sie Lenin 1917 vorschlug, als er die Grundbedingungen für eine Arbeiterdemokratie darlegte:

Freie und demokratische Wahlen aller Funktionäre, mit jederzeitiger Abwählbarkeit

Kein Funktionär darf mehr verdienen als der Durchschnittslohn eines Facharbeiters

Kein stehendes Heer (und schon gar keine Stasi!), sondern ein bewaffnetes Volk

Nach und nach sollen die Verwaltungsaufgaben des Staates turnusmäßig von jedem übernommen werden können (Wenn jeder ein Bürokrat ist, ist keiner ein Bürokrat)

Das waren nach Marx und Lenin die Bedingungen für den Weg zum Sozialismus. 1917 jedoch fehlten in Russland die materiellen Voraussetzungen dafür. Die Isolation der Revolution in einem rückständigen Land führte unter Stalin zu einer bürokratischen Degeneration. Solch ein totalitäres Regime des Stalinismus - das Gegenteil von Lenins Vorstellung der Sowjetdemokratie - wurde den Menschen in der DDR aufgezwungen und zerbrach schlussendlich an seinen inneren ökonomischen und politischen Widersprüchen.

Schon bei der ersten englischen Ausgabe von Reason in Revolt konnten und wollten wir unsere wissenschaftlichen und intellektuellen Beweggründe nicht von unseren politischen Motiven trennen. Es war uns ein wichtiges Anliegen, die neuesten Entwicklungen in den Naturwissenschaften - die Chaostheorie, die Gentechnik sowie die Diskussionen um den „Ursprung“ des Kosmos - mit den Methoden des Dialektischen Materialismus neu zu verknüpfen. Das vorliegende Buch versucht diesen Fragen den ihnen gebührenden Stellenwert zu geben.

Dennoch: in den nächsten Jahren werden jene Krisen, Widersprüche und daran sich anschließende Kämpfe entscheidend sein, die ich in den vorangegangenen Zeilen skizziert habe. Dabei sind wir überzeugt, dass sich die Menschen auch in Europa wieder aufmachen werden, die Gesellschaft zu verändern. Es wird vom Ausgang dieser Entwicklung abhängen, ob die Errungenschaften der Wissenschaft mit zur Vernichtung der Menschheit verwendet werden können oder als Werkzeug dafür dienen, ein Paradies auf Erden zu schaffen. Das ist eine große Herausforderung - die einzige für die es zu Beginn des neuen Jahrtausends zu kämpfen lohnt.

Wir leben in bewegten Zeiten. Diesen Umstand weiß uns auch Bert Brecht mit aller Intensität zu vermitteln; Galileo lässt er feststellen:

”Denn die alte Zeit ist herum, und es ist eine neue Zeit. Seit hundert Jahren ist es, als erwartete die Menschheit etwas.

Die Städte sind eng, und so sind die Köpfe. Aberglaube und Pest. Aber jetzt heißt es: da es so ist, bleibt es nicht so. Denn alles bewegt sich, mein Freund.”

London, 27 April 2002

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